La Movida

Man sagt: "Wenn du dich daran erinnern kannst, hast du es nicht erlebt!"

Ob Sie nun diese explosive Gegenkultur miterlebt haben oder nicht, hier finden Sie eine Zusammenfassung der "La Movida Madrileña" in den 80er Jahren.

Der Hintergrund
Madrid, 19. November 1975: Diktator Francisco Franco stirbt und mit ihm 36 Jahre Zensur und Unterdrückung. Die Umwandlung zur Demokratie beginnt. Der König Juan Carlos I. vereinfacht die Ernennung von Adolfo Suárez zum Präsidenten.
1977: Spanien wählt das erste mal seit über 40 Jahren demokratisch.
1978: Eine neue Verfassung wird unterzeichnet.
1979: Enrique Tierno Galván wird Bürgermeister von Madrid.
1981: General Tejero, ein Anhänger Francos, platzt in das noch junge Parlament in Madrid herein. Der Putschversuch schlägt jedoch fehl.
1982: Erdrutschartiger Sieg für die Sozialistenpartei PSOE mit dem politischen Führer Felipe González, bei den demokratischen Wahlen. Das Land wird zum ersten mal seit der Zweiten Republik in den 30er Jahren wieder von einer linken Patei regiert.

Der Funke
Madrids neue Rede- und Meinungsfreiheit brachte die Leute dazu alles mögliche zu veranstalten. Nennen Sie es, wie Sie wollen: hedonistisch, großspurig, ausschweifend, subversiv, pervers, verdorben. Das gemeinschaftliche Motto lautete: "Es gibt keine Tabus!" - und je heftiger die Partys, desto besser. Aus dieser neuen Freiheit entstand "La Movida" (Die Bewegung) und mit ihr ein neuer Weg zu trinken, Drogen einzunehmen, zu feiern, sich zu kleiden, zu gestalten, zu lieben und...zu leben.

Das Umfeld
AlmodovarWas wäre für eine kulturelle Revolution eine bessere Umgebung als der revolutionärste Platz in Madrid? Die Protagonisten der Movida versammelten sich um den Plaza Dos de Mayo in Malasaña, wo die Madrilenen sich schon 1808 versammelten, um gegen Napoleon zu rebellieren. Gleich in der Nebenstraße (La Palma 14) gestalteten die zwei Künstler Juan Carrero und Enrique Naya ihr Apartment in das Costus-Kunstatelier um, ein Treffpunkt für die Protagoninsten der Movida. Unter Ihnen gesellten sich Alaska, Miguel Ordóñez, Fabio McNamara, Carlos Berlanga, Pedro Almodóvar und Blanca Sánchez. Außerhalb des Costus-Ateliers traf sich die Gruppe häufig in den heute legendären Bars wie El Penta (c/ Palma 4), La Vía Láctea (c/ Velarde 8) und El Sol (c/ Jardines 3).

Die Einflüsse
Boy George, David Bowie, Lou Reed, Brit Punk Rock, New Wave, Glam, Rocky Horry Picture Show...

Der Bürgermeister
Es kommt nicht häufig vor, dass ein Politiker die Bewegung einer Gegenkultur unterstützt. Genau dies tat aber Enrique Tierno Galván. In den 60er Jahren von dem spanischen Universitätssystem unter Franco verstoßen, da er beschuldigt wurde Studentenproteste gegen Franco angeführt zu haben, machte Tierno Galván seinen Universitätsaschluss in Princeton und widmete sich danach dem politischen Leben. Der "Alte Professor", wie er liebevoll genannt wurde, war davon überzeugt, dass die Movida positiv auf die Entwicklung der Gesellschaft nach der Zeit Francos wirkte. Außerdem bemühte er sich zusammen mit dem Ministerpräsidenten Felipe González um ein modernes Image Spaniens im Ausland. Das Land war nach Jahrzehnten der Isolierung und Diktatur reif für eine Veränderung und Öffnung. La Movida verkörperte beides: die Manifestierung der neuen Entwicklung des Landes und das dazugehörige "Marketing" im In- und Ausland.

Die Königin
AlaskaAußerhalb von Spanien ist wohl Pedro Almodóvar der bekannteste Movida-Veteran. Fragen Sie aber irgendjemand hierzulande, wer die treibende Kraft war, bekommen Sie ohne Zögern folgende Antwort: Alaska. Anfangs als Frontsängerin der Punk-/Pop/New-Wavebands wie Kaka de Luxe (1978), Alaska y los Pegamoides (1979) und Alaska y Dinarama (1983), schlug Sie in der Kindersendung "La Bola de Cristal" (Die Kristallkugel) eine revolutionäre Richtung ein. La Bola de Cristal war ein absolutes Novum in seinem Genre: Kinder wurden wie Erwachsene behandelt, es kamen Figuren wie die "electroduendes" (verrückte Puppen mit elektrischen Kräften) und "la pandilla basura" (die Müllbande) vor und die Musik wurde von zeitgenössischen Rockbands übernommen. Alaska war die "Bruja Avería," eine post-moderne Rockerhexe und ein alternatives Modell für spanische Kinder in den 80er Jahren.

Die Musik
Falls Sie sich einen Eindruck von dieser Zeit verschaffen möchten, hören Sie sich beispielsweise die Musik von Mecano, Alaska y los Pegamoides, Radio Futura, Nacha Pop, Tino Casal, Siniestro Total, Loquillo y los Intocables, Alaska y Dinarama, Los Secretos, Los Elegantes und La Modé an.

Die Filme
Fernando TruebaFilme wie "Arrebato" (1979) von Iván Zulueta, "Colegas" (1982) von Eloy de la Iglesia und "Ópera Prima" (1980) von Fernando Trueba beweisen, dass das Kino der Movida mehr als nur Pedro Almodóvar zu bieten hatte. Dennoch kann die mystische Stellung Almodóvars als das Sinnbild der Movida nicht missachtet werden. Vergessen Sie die Oscar-Gewinner "Alles über meine Mutter" (1999) und "Sprich mit ihr " (2002) - Sie müssen sich schon in die tiefen 80er Jahre zurückbegeben, um die Ästhetik der Movida zu verstehen: "Pepi, Luci, Bom y otras chicas del montón" (1980), "¿Qué he hecho yo para merecer esto?" (1984) und "Mujeres al borde de un ataque de nervios" (1988).